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Rotkäpchen auf moderne Art

Es war einmal ein kleines, 7 or 8 jähriges Mädchen, das immer ein Käppchen aus rotem Samt trug. Aufgrund dieses Attributes erhielt es ein Rename unter dem symbolischen Namen Rotkäppchen.
Eines Tages sprach die Mutter im Direktmodus: "Rotkäppchen, deine Grossmutter liegt im virtuellen Zwischenspeicher, denn ihre Gesundheit hat einen Interrupt bekommen. Wir müssen ein Pflegeprogramm entwickeln und zur Grossmutter bringen, um das Problem zu lösen. Verirre Dich jedoch nicht im Wald der alten Programmiersprachen, sondern gehe immer nur objektorientierte Wege. Verzweige Deine Wege nicht, sonst gibt es einen Error. Nutze dabei immer die richtigen Parameter, dann geht es der Grossmutter schnell wieder gut. Und achte darauf, dass Dein Pflegeprogramm nicht zu lang ist, damit es den Speicher der Grossmutter nicht noch mehr belastet."
Da der Pfad zur Grossmutter in der Batchdatei gelegt war, traf Rotkäppchen nach wenigen Schritten den Wolf. Er tat sehr benutzerfreundlich, hatte im Background jedoch schon einen Absturz programmiert. Während Rotkäppchen einen direkten Zugriff auf das Blumenarray machte, ging der Wolf direkt auf die Speicheradresse der Grossmutter und vereinnahmte sie ohne Waitstates mit einem Delete. Ohne zu zögern gab er sich den Anschein, kompatibel zu sein, und nahm die grafische Oberfläche der Grossmutter an. Dann sagte er: "*I*ch *B*in *M*üde" und legte sich auf ihren Speicherplatz.
Nachdem Rotkäppchen einige Blumen gestapelt hatte, sah sie, dass ihre Rechenzeit abgelaufen war. Sie sprang mit einem Backslash direkt in das Hauptverzeichnis ihrer Grossmutter und wechselte in das danebenliegende Schlafverzeichnis, in dem der mit Grossmutters Daten vollgestopfte Wolf lag. Vor Installation des Pflegeprogramms gab sie sicherheitshalber einen Verify ein und gab Klartext aus:

"Ei Grossmutter, warum hast du so grosse Augen?"
"Weil ich lauter zufriedene Endbenutzer gesehen habe."
"Ei Grossmutter, warum hast du so grosse Ohren?"
"Damit ich die Wünsche der User besser verstehen kann."
"Ei Grossmutter, warum hast du so ein entsetzlich grosses Maul?"
"Damit ich dich besser canceln kann!"

Sprach's und schob das arme Ding per Direkteingabe durchs Maul in sein Magenunterverzeichnis, während Rotkäppchen schrie: "Das ist der falsche Befehl!" Nach einem lauten Verdauungsoutput begab sich der Wolf zur Ruhe, schlief ein und begann laute Nadlergeräusche zu stanzen.
Als der Jäger auf seiner Schleife durch die grüne Baumstruktur am Stammverzeichnis der Grossmutter vorbeikam, sah er durch ein Window den Wolf auf der Speicherbank liegen. "Find' ich dich hier, du alter Mäusefeind", sprach er zeichenorientiert, "dich habe ich schon lange in meinem Suchprogramm." Als Kenner der grafischen Oberfläche analysierte er sofort, dass nach den Regeln der Menueführung die Grossmutter nur im Gehäuse des Wolfs sein konnte. Er nahm seine scharfe Utility der Messerschleiferei Nerton und partitionierte den Bauch des Wolfes in mehrere Sektoren und machte - welche Freude - die Grossmutter und Rotkäppchen wieder zu selbständigen Modulen, sodass sie im weiteren Programmablauf Verwendung fanden.
Als neuen Input für den Bauch des Wolfes nahmen sie viele Kilobyte Steine und beendeten die Operation durch Schliessen über eine Tastenkombination. Als der Wolf erwachte, verursachte ihm sein auf über ein Megabyte aufgeblähter Hauptspeicher solche Kopfschmerzen, dass er an einem unbehebbaren Fehler im Anwendungsprogramm jämmerlich zugrunde ging und auch der sofort herbeigerufene Arzt Dr. P. C. Tulus keinen Reset mehr durchführen konnte.
Da waren alle vergnügt und tanzten mit 100 Megahertz um die 586-CPU. Die Systemsteuerung reaktivierte die Grossmutter im Hintergrundbetrieb und Rotkäppchen dachte: "Du willst dein Lebtag nie wieder das Verzeichnisfenster wechseln, wie dir's deine Mutter geboten hat." Und wenn sie inzwischen nicht im erweiterten Speicher gelöscht wurde, dann ...





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